Mit dem eigenen Strom auf die Straße

E-Mobilität
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Hameln/Holzminden. Über 40 Unternehmer:innen aus den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden ließen sich in der vergangenen Woche anschaulich erklären, warum es sich wirtschaftlich lohnt, Photovoltaikanlagen auf den eigenen Dächern zu installieren und den vor Ort erzeugten Strom für den eigenen Betrieb und zum Aufladen eigener E-Fahrzeuge zu nutzen. Die Wirtschaftsförderungen der beiden Landkreise hatten zur digitalen Informationsveranstaltung „Elektromobilität und Photovoltaik sinnvoll kombinieren: Unternehmen werden zu Prosumenten“ geladen, die von der Klimaschutzagentur Weserbergland im Auftrag der Landkreise organisiert wurde.

Solarexperte Dirk Hufnagel belegte anhand einiger Rechenbeispiele, dass der wirtschaftliche Vorteil einer Solaranlage am größten ist, wenn ein Großteil des erzeugten Stroms direkt im Betrieb verbraucht und nicht in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Wichtig ist bei der Installation von Solargeneratoren mit einzubeziehen, wann der Strom benötigt wird, um die Anlagenfläche danach auszurichten: So kann beispielsweise eine Bäckerei die eigene PV-Anlage am effizientesten nutzen, wenn sie nach Osten ausgerichtet ist, da sie morgens die größte Menge Strom verbraucht. In Batterien kann der Strom zwischengespeichert und insbesondere zur Spitzenlastkappung sinnvoll genutzt werden.

 

Der erste Schritt beim Umstieg auf den selbsterzeugten Solarstrom ist für alle Unternehmen, wie auch Privatpersonen, zu überprüfen, ob auf der eigenen Dachfläche Solarenergie erzeugt werden kann. Mit wenigen Mouse-Klicks ist das im kostenlosen Solarportal Weserbergland auf den Homepages der Landkreise Hameln-Pyrmont (www.hameln-pyrmont.de/Wirtschaft-Klima/Klimaschutz/Solarportal) und Holzminden (www.landkreis-holzminden.de/umwelt-und-abfall/klimaschutz) möglich. Im Portal können sich Nutzer:innen ausrechnen lassen, wieviel Strom auf dem eigenen Dach erzeugt und wieviel Netzstrom und CO2-Emissionen eingespart werden können. Grundlage der Berechnung sind aktuelle Laserscandaten, die das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen durch Flugzeugbefliegungen hat erfassen lassen. Die Landkreise haben die Daten und Lizenzen zur Verwendung im Solarportal erworben.

 

Kommt die Nutzung einer PV-Anlage infrage, können kleine und mittlere Unternehmen beim Landkreis Holzminden oder der Klimaschutzagentur Gutscheine für eine kostenlose Impulsberatung erhalten. Für das Jahr 2021 stehen noch wenige Gutscheine zur Verfügung, die nach dem Windhundprinzip vergeben werden. Unternehmen, die in diesem Jahr keine Beratung mehr in Anspruch nehmen können, werden bei Interesse auf eine Warteliste gesetzt. Aller Voraussicht nach werden im kommenden Jahr erneut Gutscheine ausgestellt und dann vorrangig an die Wartenden vergeben.

 

Uwe Bochnig, der das Team Energiemanagement in Unternehmen bei der Klimaschutzagentur leitet, zeigte bei der Info-Veranstaltung auf, wie Unternehmen Solaranlagen optimal für die Stromversorgung ihrer Elektrofahrzeuge nutzen können, und verwies außerdem auf eine aktuelle Mitteilung aus dem Bundesverkehrsministerium: ab dem 23. November 2021 können Unternehmen und Kommunalverwaltungen einen Zuschuss für den Aufbau nicht öffentlicher Ladepunkte für E-Fahrzeuge beantragen. Gefördert werden bis zu 70 Prozent der Ausgaben und maximal 900 Euro pro Ladepunkt.

 

Lutz Reimann, Geschäftsführer der Elektroma GmbH, hat den Fuhrpark seines Unternehmens fast vollständig auf Elektromobilität umgestellt und erläuterte den Zugeschalteten Beispiele aus der Praxis. Eines davon: früher zahlte er 12 Euro, um mit einem Diesel-Fahrzeug 100 Kilometer zurückzulegen. Heute lädt er seine Elektroautos mit dem Strom der eigenen Photovoltaik-Anlage und kommt bei einem Mischpreis aus Netzstrom und eigenem Strom auf 2,36 Euro pro 100 Kilometer. Würde er ausschließlich den Strom aus der eigenen Anlage nutzen, kostete ihn die Strecke lediglich einen Euro. Seine 43 Ladesäulen konnte sich Reimann zu 80 Prozent fördern lassen. Sie haben sich dank der Bezuschussung nach nur einem halben Jahr amortisiert. Reimann sieht weitere Vorteile der E-Mobilität darin, dass er momentan keine Steuern dafür zahlen muss, die Wartungskosten gering seien und es kaum Verschleiß gebe. Für ihn sei der Umstieg auf E-Mobilität zu 100 Prozent sinnvoll.

 

Eine Fortsetzung der Veranstaltungsreihe ist für den 17. Februar 2022, ab 15 Uhr und ebenfalls in digitalem Format, geplant. Thematisch wird der Fokus auf Energieaudits in kleinen und mittelständischen Unternehmen liegen.

Ihre Ansprechpartnerin: Berlind Brodthage