
Hameln. Im Lager der Firma Honig Baustoffe bewegen sich leise E‑Gabelstapler zwischen Paletten und Hochregalen mit Dämmmaterialien, Säcken mit Mörtel, Rollen mit Schutzfolien. Der Betrieb mit Sitz im Hamelner Süden ist nah dran am Baualltag – und dieser hat viel mit Klimaschutz zu tun. Für Inhaber Henrik Reimann geht es jedoch nicht nur um einzelne Projekte, sondern um das große Ganze. Deshalb war er vor fast genau 15 Jahren Mitinitiator der Klimaschutzagentur Weserbergland und ist heute Mitglied im „Bündnis Klimaneutrales Weserbergland“, einem Zusammenschluss engagierter Unternehmen und Kommunen, die Klimaschutz in den eigenen Organisationen und in der Region mit Entschlossenheit vorantreiben. Henrik Reimann überzeugt durch seine vorausschauende Art und sein Gespür für das Wichtige, wenn es um nachhaltige Trends und den Schutz des Klimas geht.
Baustoffe entscheiden mit über den Erfolg der Energiewende. Ein Beispiel sind Dämmstoffe: Holzfaserplatten – Reimanns Favoriten – wirken gleich doppelt. Sie schützen Gebäude nicht nur vor der Kälte im Winter, sondern auch vor der Hitze im Sommer. Das hängt mit der hohen Masse der Platten zusammen, die den Wärmeeintrag ins Haus im Sommer verzögert. Fachleute nennen das „Phasenverschiebung“ – für Bewohner:innen bedeutet es mehr Wohnkomfort rund ums Jahr und geringere Energiekosten.
Auch Kalk- und insbesondere Lehmputze bieten einen doppelten Vorteil: Sie sind weniger CO₂-intensiv in der Herstellung als zementhaltige Varianten und wirken durch ihre Diffusionsoffenheit regulierend auf das Raumklima. Immer mehr Kund:innen greifen zu diesen Putzen – nicht zuletzt, weil sie zementhaltige Produkte nicht vertragen und allergisch reagieren. Wer saniert, kann also mit der richtigen Wahl sowohl das Klima als auch das eigene Wohlbefinden positiv beeinflussen.
Honig Baustoffe ist seit der Gründung Fördermitglied der Klimaschutzagentur Weserbergland, die im vergangenen November ihr 15-jähriges Bestehen feierte. Der Impuls zur Gründung der Agentur geht auf die Initiative des 2010 amtierenden Präsidenten der Handwerkskammer, Karl-Wilhelm Steinmann, zurück. Seine Überzeugung: Klimaschutz ist eine globale Aufgabe, die jedoch lokal angepackt und gelöst werden muss. Architekt:innen, Handwerker:innen, Energieexpert:innen, Stadtwerke und Kommunen schlossen sich daraufhin zusammen, um die Region zukunftsfähig zu machen.
Bis heute gilt Neutralität als wichtigstes Prinzip der Agentur. „Nur wer unabhängig beraten und arbeiten kann, schafft Vertrauen – und Wirkung“, betont Henrik Reimann.
Sanierungen profitieren zudem von Nähe: Eigentümer:innen arbeiten mit Handwerker:innen aus der Region, die wiederum Materialien vor Ort beziehen. Das stärkt die regionale Wertschöpfung und sichert Arbeitsplätze. Klimaschutz verbessert nicht nur die Lebensqualität und senkt Energiebedarfe und -kosten, sondern stärkt auch die lokale Wirtschaft – ein Ansatz also, bei dem alle gewinnen.
Auch im eigenen Betrieb setzt Honig Baustoffe Zeichen: LED-Beleuchtung, Photovoltaik auf dem Dach und E‑Gabelstapler gehören längst zum Alltag. Letztere sind leise, wartungsarm und verbessern die Luftqualität – Fahrer:innen sitzen nicht mehr am Auspuff und atmen keinen Feinstaub ein. Zudem gibt es ergonomische Arbeitsplätze für alle Mitarbeitenden, was Gesundheit und Zufriedenheit fördert.
Reimanns Blick geht weiter: Ein neues Thema ist die nachhaltige Mitarbeitermobilität. Die Frage lautet nicht ob, sondern wie. Wichtig sind ihm faire Lösungen und kluge Anreize, die alle gleichermaßen unterstützen.
Wer mit Henrik Reimann über die Zukunft des Baustoffmarkts spricht, bekommt eine klare Antwort: Die Branche steht vor einer Phase der Verknappung. Gips, einer der wichtigsten Baustoffe überhaupt, wird zunehmend zur Mangelware. Die Konsequenz: Rückgewinnung und standardisierte Zweitnutzung werden zu zentralen Lösungswegen. Auch beim Holz zeigt sich ein ähnliches Bild. Wiederverwendung könnte hier eine Entlastung bringen – etwa wenn alte Dachstühle oder Holz-Bauteile systematisch zurückgebaut und erneut eingesetzt werden.
Für Nils Nolting, Architekt, Professor für Baukonstruktion an der HAWK Holzminden, sind Recycling und Weiterverwendung ohnehin längst kein Nischenthema mehr. Schließlich fallen rund 86 Millionen Tonnen Bauschutt jährlich in Deutschland an. Ein Großteil landet auf Deponien – ein enormer Verlust wertvoller Ressourcen. „Recycling und die Weiterverwendung von Baumaterial hält Materialien im Kreislauf und spart gleichzeitig Emissionen ein, die bei der Neuproduktion entstehen würden“, sagt Nolting. Kreislauffähiges Bauen, das hochwertiges Recycling und Weiterverwendung ermöglicht, ist eines der Kernthemen bei der Forschung rund ums nachhaltige Bauen und ein zentraler Baustein für Klima‑ und Ressourcenschutz.
Zum Klimafaktor wird das Thema auch deshalb, weil das Baugewerbe zu den energieintensivsten Branchen des Landes zählt. Bei einem Gebäude steckt etwa die Hälfte der Energiemenge, die es über seine gesamte Nutzungsdauer benötigt, bereits in den verbauten Materialien. Sanieren statt Abriss – und Weiterverwertung statt Entsorgung – kann hier erhebliche CO₂‑Einsparungen möglich machen.
Die Veränderungen in der Branche eröffnen nach Reimanns Einschätzung auch dem Baustoffhandel neue Perspektiven. Händler könnten künftig nicht mehr nur Material verkaufen, sondern zu Knotenpunkten einer zirkulären Bauwirtschaft werden: als Koordinatoren von Stoffströmen, als Qualitätsprüfer recycelter Baustoffe und als Betreiber von Lagerflächen für wiedergewonnene Materialien. Aus dem klassischen Handel würde so ein zentraler Akteur im Ressourcenmanagement.
Unsere Bau- und Wohngewohnheiten müssen sich ändern. Honig Baustoffe zeigt, wie leise Revolutionen funktionieren: nicht mit großen Worten, sondern mit entscheidenden Details im Angebot und dank einer Vorbildrolle im eigenen Haus. Die Energiewende im Gebäudebestand ist kein ferne Vorhaben, sondern eine fundamentale Notwendigkeit, die uns heute beschäftigt, wenn es um effektiven Klimaschutz geht. Sie ist Zollstock und klimafreundlicher Baustoff, Förderantrag und Fahrplan, Quartier und Kreislauf. Und ein Händler, der sagt: Entscheiden sollen die Kund:innen – aber bitte mit den besten Lösungen, die direkt eine Armlänge entfernt im Regal liegen.