Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden. Heizen in der Zukunft soll nicht nur klimafreundlich, sondern auch bezahlbar und praktikabel sein. Doch welche Wege führen dorthin und
welche Lösungen eignen sich für die einzelnen Orte? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Kommunale Wärmeplanung, die die Klimaschutzagentur Weserbergland aktuell für acht Kommunen in den beiden
Landkreisen erarbeitet. In den vergangenen Wochen stellte sie einen Zwischenstand der Arbeit in den Kommunen vor.
Zuerst hatten die Bürgerinnen und Bürger in Aerzen, Salzhemmendorf, Emmerthal, Coppenbrügge und Hessisch Oldendorf die Gelegenheit, sich bei Beteiligungsabenden zum Projektstand zu informieren
und Fragen einzubringen.
Die Einladungen über Plakate, soziale Medien, Pressemitteilungen und die Internetseiten der Kommunen hatten Wirkung gezeigt: Die Säle waren gut gefüllt, die Gespräche engagiert.
Neben Hintergrundinformationen zu den Planungen vor Ort stieß besonders ein praktisches Beispiel auf großes Interesse: ein modernisiertes Wohnhaus, das heute mit einer Wärmepumpe beheizt wird. Daran knüpften viele Fragen an. An Thementischen wurde über Sanierungsmöglichkeiten, über individuelle Lösungsansätze und über die Chancen gemeinschaftlicher Wärmenetze diskutiert. Zwar war es für konkrete Aussagen zu künftigen Netzen noch zu früh, doch der Tenor war eindeutig: Die Bereitschaft, die Wärmewende aktiv mitzutragen, ist vielerorts vorhanden.
Bad Münder, Delligsen und Holzminden: viele Ideen, viel Gesprächsbedarf
Auch die jüngsten Veranstaltungen in Bad Münder, Delligsen und Holzminden bestätigen dieses Bild. Am 14. August kamen rund 60 Interessierte in den Martin-Schmidt-Konzertsaal in Bad Münder. Neben Bürgerinnen und Bürgern waren Vertreter aus Politik, Landkreis, Netzbetreiber Avacon, Schornsteinfegerhandwerk und Presse vor Ort. An den Thementischen drehte sich vieles um die Frage, welche Wärmequellen in Zukunft tragfähig sind – von Flusswärme über Geothermie bis hin zu innovativen Kombinationen. Hier prallten Visionen und Realität aufeinander: Ideen gab es viele, die Machbarkeit bleibt ein wichtiges Kriterium.
Vier Tage später, am 18. August, versammelten sich etwa 60 Teilnehmende im Delligser Festsaal. Besonders erfreulich: Alle Ortsteile waren vertreten. Bürgermeister Willudda ließ sich von einem Praxisbeispiel inspirieren und berichtete offen von seinen eigenen Erfahrungen mit Photovoltaik und Elektroauto. Diskutiert wurde nicht nur über die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, sondern auch über die grundsätzliche Frage: Kann man überhaupt völlig autark werden?
Am 28. August fand dann im Ratssitzungssaal von Holzminden der vorerst letzte der Bürger-Beteiligungsabende statt. Auch hier zeigte sich in der lebhaften Diskussion, dass die Teilnehmenden zwar unterschiedlichste Fragen beispielsweise zum Ablauf und zum gesetzlichen Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung haben, aber auch begreifen, dass alle zusammen an der Wärmewende arbeiten müssen. Außerdem ist vielen bewusst, dass es perspektivisch auch Vorteile hat, wenn es gelingt, bei der Wärmeversorgung unabhängiger von Öl und Gas zu sein.
„Für uns ist der direkte Austausch unglaublich wertvoll“, betont Projektleiterin Franziska Dröge. „Wir erhalten viele spannende Anregungen und können gleichzeitig erklären, wie die Wärmeplanung funktioniert. All diese Rückmeldungen werden bei den weiteren Schritten berücksichtigt.“
Dass die Menschen sich konkret mit ihrer Situation auseinandersetzen, zeigt auch die Nachfrage nach Energieberatung: Zahlreiche Teilnehmende meldeten sich direkt an.
Blick nach vorn: In Abschluss-Veranstaltungen werden Ergebnisse und konkrete Maßnahmen vorgestellt
Die Kommunale Wärmeplanung geht nun für alle acht Kommunen in die entscheidende Phase. Bis zum Herbst werden die Potenziale, Szenarien und Maßnahmen individuell für jede Kommune weiter ausgearbeitet. Parallel finden Gespräche mit Schlüsselakteuren wie Netzbetreibern, Stadtwerken, Schornsteinfegern und der Wohnungswirtschaft statt, um gemeinsam tragfähige Lösungen für die Wärmewende zu entwickeln.
Im November und Dezember stehen die Abschlussveranstaltungen in sieben Kommunen an: In Aerzen, Bad Münder, Coppenbrügge, Delligsen, Emmerthal, Hessisch Oldendorf und Salzhemmendorf werden die Ergebnisse der Wärmeplanungen präsentiert. Dabei geht es nicht nur um die Erkenntnisse, sondern auch um konkrete Maßnahmen, die anschließend in die Umsetzungsplanung aufgenommen werden. Die Veranstaltung für Holzminden folgt Anfang 2026.