Checklisten

Ihr Ansprechpartner: Saskia Pape


Checklisten: Die ersten Schritte zu einer eigenen Photovoltaikanlage

Die nachfolgende Checkliste dient der Vorbereitung gebäuderelevanter und prozessbedingter Vorbetrachtungen. Sie zeigt auf, welche Realisierungsschritte im Vorfeld zu beachten sind und welche Ansprechpartner für die weitere Projektierung und Umsetzung erreichbar sind. Mit dem Solarportal Weserbergland können Sie einen ersten Potenzialbericht mit den von Ihnen eingegebenen Parametern generieren. Durch diese Einstrahlungs- und Ertragsberechnung wird der nächste Schritt der Planungsphase vereinfacht.

Foto: Anatoliy Gleb/fotolia
Foto: Anatoliy Gleb/fotolia


1. Vorbetrachtungen

 Vorabberatung

  • Gibt es Beratungsmöglichkeiten bei Ihnen vor Ort?
  • Läuft eine Beratungskampagne?

-> Informationen zu möglichen Beratungen finden Sie auf den Internetseiten der Klimaschutzagentur Weserbergland oder der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen

 

 Dach

  •  Wie ist die Dachneigung und -ausrichtung? Dazu können alle Informationen über das Solarportal Weserbergland oder in Ihren Bauunterlagen gefunden werden; für Statik ggf. Ihre/n Dachdecker/-in / Statiker/-in anfragen.
  •  Wie viel Dachfläche steht zur Verfügung?
  •  Ist die Dachstatik geeignet? Beachten Sie die Wind- und Schneelasten, das ist wichtig für das Montagesystem.

 Eigentumsverhältnisse

  •  Befindet sich das Dach in Ihrem Eigentum?
  •  Wenn nicht, gibt es ein Dach, das gemietet/gepachtet werden kann?

 Synergien

  •  Ist in den nächsten 20 Jahren eine Dachsanierung notwendig oder geplant? Fragen Sie ggf. einen Dachdecker/-in.

 Strom und Wirtschaftlichkeit

  • Wofür möchten Sie den erzeugten Strom nutzen?
  1.  zur Netzeinspeisung
  2.  nur zum Eigenverbrauch
  3.  zum Eigenverbrauch mit Überschusseinspeisung ins Netz
  4.  zum Eigenverbrauch mit Speicher und Überschusseinspeisung ins Netz
  5.  zum Eigenverbrauch mit Speicher, mit Elektroauto und Überschusseinspeisung ins Netz

 -> Beratung durch Planer/-in / Solarteur/-in; erste Informationen und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung im Solarportal Weserbergland

 -> Für Unternehmen hat der Bundesverband Solarwirtschaft e.V. einen Leitfaden entwickelt: Photovoltaik und Elektromobilität sinnvoll kombinieren - Ein Leitfaden für Gewerbebetriebe in Deutschland BSW.

-> Für Kommunen hat die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen ein Faktenpapier - Photovoltaik in der kommunalen Bauleitplanung herausgegeben.

  • Wann und wie rechnet sich die Anlage?
  • Kennen Sie den Stromverbrauch der letzten 3 Jahre?
  • Kennen Sie Ihre Lastspitzen? Haben Sie ggf. sogar Ihr Lastprofil?
  • (Abrechnung) Stromversorgungen, ggf. Lastprofil/monatlichen/täglichen Verbrauch vom Energieversorger anfordern

 Art der Belegung

  •  Wie sollte das Dach belegt werden: hohe Autarkie, hohe Wirtschaftlichkeit oder Nutzung der gesamten Dachfläche?

-> Beratung mit Planer/-in /Solarteur/-in

 

 Elektromobilität

  • Planen Sie eine Ladestation ein? Haben Sie schon einen Standort festgelegt? Steht dafür eine entsprechende Leistung zur Verfügung? Fragen Sie Ihre/n Planer/-in.

 Platz

  •  Wo können Wechselrichter und ggf. ein Speicher möglichst kühl und dunkel platziert werden?

 Baugenehmigung

  • Es besteht in Niedersachsen gemäß § 60 der Niedersächsischen Bauordnung für Dach- und Fassaden-Anlagen keine Genehmigungspflicht.

 Steuer

  •  Die Einspeisung des Stroms einer selbstbetriebenen Photovoltaikanlage kann steuerliche Auswirkungen haben. Fragen Sie Ihre/n Steuerberater/in oder bei Kommunen Ihre/n Kämmerer/Kämmerin. Für Unternehmen hat hat der Betrieb einer PV-Anlage steuerlich wenig Auswirkungen.

 Blitzschutz

  •  Besteht bereits eine Blitzschutzanlage? Integrieren Sie diese mit den notwendigen Abständen. Beachten Sie Ihre Versicherungsbedingungen dazu.

 Optik

  • Welche ästhetischen Aspekte müssen berücksichtigt werden? Diese Infos finden Sie ggf. in der Stadtsatzung.

 Förderung

  • Gibt es Förderungen für Ihr Projekt? Es gibt zinsgünstige Kredite und ggf. auch Zuschüsse für gewisse Anwendungsfälle oder Speichersysteme. Informieren Sie sich über Bundesförderprogramme (KfW), Landesförderungen (NBank) und Solarkredite Ihrer Bank.

 Betrieb / Finanzierung

  • Möchten Sie selbst Investor / Betreiber der Anlage werden? Ist es dann sinnvoll, eine GmbH zu gründen oder mit den Stadtwerken zusammenzuarbeiten?
  • Wenn nicht, gibt es eine Dach- oder Fassadenfläche, die vermietet/verpachtet werden kann?
  • Oder kommt es für Sie in Frage eine Anlage zu mieten oder zu pachten?
  • Möchten Sie die Anlage (teilweise) finanzieren lassen?

-> Vermietung/Verpachtung an Investoren (privat, Energiegenossenschaft, Energiedienstleister), bei Kommunen: sprechen Sie mit Ihrer/m Kämmerer/Kämmerin über die möglichen Einnahmen und Ausgaben.

 

2. Planungsphase: Erarbeitung von Vorgaben für Solarteur / Installateur

Photovoltaikanlage

  • Wie groß ist die Anlage?
  • Wird eine Planung / ein Variantenvergleich benötigt?
  • Haben Sie sich schon Gedanken zur Nutzung gemacht? Faustformel: Pro kWp wird eine Fläche von etwa 7-10 m² benötigt – die bringt einen Ertrag von ca. 900 kWh/a
  • Welche Art der Belegung ist für die Nutzung sinnvoll?
  • Haben die Komponenten, die verbaut werden sollen, Zertifikate und entsprechen diese der gültigen Norm?
  • Welche Qualität und Lebensdauer haben die Komponenten?
  • Welche Modulart (mono- oder polykristallin, Dünnschicht) wird empfohlen oder ist sinnvoll?
  • Wie hoch ist der Wirkungsgrad der Module? Wie viele Module mit welcher Leistung sollen verbaut werden?
  • Welche Komponenten sollen verbaut werden? (Module, Wechselrichter, ggf. Speicher)
  • Wie hoch ist der Wirkungsgrad des Wechselrichters?
  • Können Wechselrichter und Einspeisepunkt recht nah beieinander liegen?

-> Bei größeren / komplizierteren Anlagen sind vor der Ausschreibung ein Variantenvergleich und eine Planung durch ein Planungsbüro zu empfehlen. Projektierungsunternehmen übernehmen bei Bedarf auch den gesamten Prozess (Planung, Bau, Errichtung). Wichtig ist hierbei die Festlegung der individuellen Parameter für die Ausschreibung.

 

Wartung und Garantie

  •  Wird ein Wartungsvertrag angeboten? Ggf. ist innerhalb der Laufzeit eine Reparatur/ein Austausch des Wechselrichters nötig. Welche Komponenten sind Bestandteil des Wartungsvertrags? Wird ein Notdienst angeboten?
  • Wird eine Fernüberwachung angeboten/ist sie Bestandteil des Wartungsvertrags? Erfolgt eine ereignisabhängige Sichtkontrolle?
  • Die Herstellergarantie von 25 Jahren wird oft gewährleistet. Für einen hohen Ertrag empfiehlt es sich, mindestens einmal im Jahr eine Wartung durchzuführen.

-> Wartung und Garantieleistungen erbringen entweder der/die Solarteur/-in oder eine externe Wartungs-/Reinigungsfirma (ggf. Fernüberwachung).

 

Brandschutz

  • Soll/muss eine Abschalteinrichtung für die Feuerwehr eingebaut werden? Bei Kommunen und Unternehmen: Für Gebäude, in denen Menschen arbeiten, ist diese immer empfehlenswert.

 Inselfähigkeit

  •  Soll die Anlage im Falle eines Stromausfalls „inselfähig“ sein, d. h. die zumindest anteilige Versorgung des Gebäudes übernehmen? Wenn ja, sollte dies bei den Komponenten beachtet werden, z. B. durch die Vorgabe multifunktionale Wechselrichter mit USV-Eigenschaften (unterbrechungsfreie Stromversorgung).

 Unterlagen

  • Bietet der Installateur die Übergabe von Revisionsunterlagen an?

 Rücknahme / Recycling

  •  Ist der Solarteur an ein Rücknahmesystem angeschlossen?
  •  Welche Rücknahmemöglichkeiten gibt es, falls der Solarteur seinen Betrieb aufgibt?

3. Angebote und Ausführung

 Angebote

  •  Holen Sie sich mehrere Angebote von Solarteuren aus der Region. Anbietende Handwerker sind Elektriker, Dachdecker, Solarteure (ggf. Ausschreibung durch ein Planungsbüro). Für ein Angebot und eine seriöse Beratung ist ein Vor-Ort-Termin notwendig, um die baulichen Gegebenheiten einzuschätzen.
  • Sind im Angebot genaue Angaben zu den Modulen, Wechselrichtern, Auslegung, Leistung, Montage- und Befestigungssystem, Kabeln und sämtliche Kosten aufgeführt? Vergleichen Sie die Kosten, Zahlungsbedingungen, den dazugehörigen Service usw.
  •  Haben die Dienstleister entsprechende Referenzen?
  •  Bietet der Solarteur / Planer an, die Formalitäten (Antrag auf Einspeisung/Netzanschluss) zu übernehmen?

 Versicherung

  • Prüfen Sie als Erstes, ob die bestehende Haftpflichtversicherung die PV-Anlage bereits mit abdeckt.
  • Steht Ihre Anlage in einem Gebiet mit erhöhter Unwettergefahr? Ggf. lohnt sich eine Allgefahrenversicherung (Schaden, Ertragsausfall, Entsorgung) für Sie. Prüfen Sie, ob Ihre Anlage durch die Gebäudeversicherung mit abgedeckt ist.

-> Es gibt verschiedene Vergleichsrechner im Internet. Die Haftpflichtversicherungshöhe ist abhängig von Größe und Wert der PV-Anlage, Standort, Gebäudenutzungsart, Gefahrerhöhung durch Lagerung gefährlicher Stoffe.

 

Antrag auf Einspeisung / Netzanschluss

  •  Ihre geplante Anlage sollte frühzeitig beim Netzbetreiber angemeldet werden. Der Netzanschluss wird im Regelfall vom Installateur beantragt. Eingereicht werden ein Datenerfassungsblatt, ein Lageplan, notwendige Konformitätserklärungen und der ausgefüllte Antrag. Wer ist Ihr Netzbetreiber? Finden Sie diesen über Abrechnungen heraus oder fragen Sie Ihren Energieversorger.
  •  Für Anlagen > 30kVA muss zusätzlich eine Netzverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden. Nach Mitteilung des Verknüpfungspunktes erfolgt die Anmeldung zum Netzanschluss, welche durch einen Vertragsabschluss rechtlich fixiert wird.

->  Ihr Netzbetreiber hilft weiter; der Netzbetreiber hat einige Wochen Zeit, diesen Antrag zu bearbeiten.

 

Registrierung der Anlage

  •  Melden Sie als Anlagenbetreiber Ihre PV-Anlage frühestens zwei Wochen vor Inbetriebnahme bei der Bundesnetzagentur online an. Ohne diese Anmeldung vom Anlagenbetreiber gibt es keine Einspeisevergütung.

-> PV-Meldeportal der Bundesnetzagentur – auch als App vorhanden

4. Inbetriebnahme und Nachfolgendes

 Inbetriebnahme mit ausführender Firma

  • Haben Sie Zeit für die Inbetriebnahme? Die persönliche Anwesenheit des Betreibers ist notwendig bei der Inbetriebnahme! Dokumente wie Garantie, Datenblätter, Rechnungen und Ähnliches sollten aufbewahrt werden. Wichtig: Lassen Sie sich den Nachweis für den Zeitpunkt der Inbetriebnahme durch Solarteur/-in aushändigen!
  • Inhalt des Inbetriebnahmeprotokolls: Betreiber der PV-Anlage, Standort, Inbetriebnahmedatum, technische Details der Komponenten (Hersteller, Modell, Anzahl), Neigung/ Ausrichtung der Module, Montage, Nachweis der Funktionsfähigkeit, Aufführung der Leerlaufspannung und des Kurzschlussstroms an den Strings und dem Generatoranschlusskasten, Prüfung der Komponenten Einspeisezähler und Einspeisemanagement. Außerdem sollte der/die Solarteur/-in Ihnen eine Anleitung für den Einspeise-zähler, den Datenlogger und zur Interpretation der Wechselrichterdaten geben.

 Inbetriebnahme mit Versorger

  • Nach der technischen Funktionsfähigkeit muss die gemeinsame Inbetriebnahme mit dem Stromversorger/Netzbetreiber, der ausführenden Firma und dem Betreiber/Nutzer der Anlage erfolgen. Dabei sollten Sie die Zählerstände am neuen Zähler (ggf. Zweirichtungszähler) aufnehmen.

 Reinigung

  • Eine Reinigung ist meist nur bei standortbedingten starken Verschmutzungen oder bei geringem Neigungswinkel der Anlage notwendig. Sind die Solarmodule gut zu erreichen? Wie hoch sind die Kosten für eine Reinigung? Diese Informationen können Sie beim Solarteur/-in bzw. der Reinigungsfirma einholen.