Ritterschlag aus Berlin fürs Weserbergland

Tobias Timm, Tjark Bartels, Jörg Farr und Horst Roch, Klimaschutzmanager des Landkreises Schaumburg, (von links nach rechts) sind stolz auf den Ritterschlag aus Berlin. Foto: sb
Tobias Timm, Tjark Bartels, Jörg Farr und Horst Roch, Klimaschutzmanager des Landkreises Schaumburg, (von links nach rechts) sind stolz auf den Ritterschlag aus Berlin. Foto: sb

Das Bundesumweltministerium hat die drei Landkreise Hameln-Pyrmont, Holzminden und Schaumburg zur Masterplan-Kommune erklärt. Damit fließen 775.000 Euro Fördermittel für den Klimaschutz in die Region. Und das Landkreis-Bündnis zählt künftig bundesweit zu den lediglich 22 ausgesuchten Kommunen, die in Sachen „CO2-Neutralität und Energiesparkurs“ eine Vorreiterrolle einnehmen und diese zukünftig weiter ausbauen wollen.

Die Klimaschutzagentur Weserbergland hat gemeinsam mit den drei Landkreisen das anspruchsvolle, zweistufige Bewerbungsverfahren bewältigt und konnte nun die gute Nachricht aus der Bundeshauptstadt entgegennehmen. „In den letzten Jahren hat sich im Weserbergland in Sachen Klimaschutz unheimlich viel getan. Sicherlich gaben auch die vorbildlichen und innovativen Aktivitäten der Klimaschutzagentur einen Ausschlag, um unsere Region als eine der engagierten Masterplan-Kommunen auszuwählen“, meint Tobias Timm, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland.

 

Für das Pilotprojekt heißt es nun: im ersten Jahr ein Konzept zu erarbeiten, wie bis 2050 95 Prozent der Treibhausgasemissionen und 50 Prozent Endenergie im Vergleich zu 1990 eingespart werden können. Bereits ab 2017 kann dieses dann in die Umsetzung gehen. Das Bundesumweltministerium fördert das Projekt, das von 1. Juli 2016 bis 30. Juni 2020 läuft. Laut Timm soll das gesamte Weserbergland in die Planung einbezogen werden: Verwaltungen, Vereine, Verbände, die Wirtschaft und nicht zuletzt die große Öffentlichkeit. „Nur gemeinsam können wir die ambitionierten Klimaschutzziele erreichen.“ Und darum sollten auch in den ersten zwölf Monaten der Pilotphase zahlreiche Veranstaltungen, Workshops und AGs dazu dienen, Ideen zu sammeln und zu bündeln für den Umsetzungsprozess in den drei Folgejahren. Beim Tag der Umwelt am 18. September im Bürgergarten in Hameln wird es beispielsweise einen eigenen Informationsstand dazu geben.

 

Aufgrund der breiten gesellschaftlichen Relevanz setzen die Landkreise bei diesem Projekt von Anfang an auf Partizipation. „Mit Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, verschiedenen Organisationen und Verwaltung sowie den Bürgern soll ein umfassender Beteiligungsprozess umgesetzt werden“, erklärt Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels. Erstmals werde ein ambitioniertes Ziel gesteckt, welches den Blick auf 2050 lenkt und „weitgehend territorial die Umsetzung der Energiewende für die Region darstellt“. Der Masterplan sei eine große Chance für jede Kommune - zum Beispiel, um Kosten langfristig zu senken, Arbeitsplätze zu schaffen und Innovationen zu fördern. „Außerdem wird nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz in Deutschland geleistet, sondern weltweit.“

 

Jörg Farr, Landrat des Landkreises Schaumburg, sieht erhebliches Potenzial in der Umsetzung des Masterplans. Der Masterplan diene dazu, die schon bestehenden Klimaschutzprozesse der vergangenen Jahre in den Landkreisen zu verstetigen und auszubauen. Die Landkreise könnten dabei auf die bisherigen Aktivitäten aufbauen und die Kooperationen nutzen, ist Farr überzeugt. „Die Einbindung aller lokalen Akteure in die Arbeit ist wichtig, wenn wir Erfolg haben wollen.“ Neben dem Ausbau regenerativer Energien würden die Energievermeidung und die Steigerung der Energieeffizienz ein Schlüsselfaktor bei der erfolgreichen Bewältigung der Energiewende sein. „So etwas muss nicht mit Einschränkungen einhergehen, sondern oft auch mit Komfortgewinn."

 

„Der Masterplan-Prozess soll die Grundlage werden, um einen Austausch zwischen den einzelnen Kommunen der Landkreise zu klimaschutzrelevanten Themen aufzubauen und das jeweilige Know-how zu nutzen“, erklärt Timm. Ein Akteursforum „Kommunaler Klimaschutz“ werde dazu im übertragenen Sinne ein Schaufenster der guten Beispiele zusammenstellen. Gerade für ländliche Regionen sei die Offensive als Masterplan-Kommune ein wichtiger Aspekt, um die Attraktivität und Lebensqualität zu erhöhen.

 

„Ein großes Thema der hiesigen Kommunen ist ebenfalls der demografische Wandel“, betont Timm. Die wichtigsten Handlungsfelder im Umsetzungskatalog der Masterplan-Kommune sieht der Geschäftsführer der Klimaschutzagentur im Bereich des Strukturwandels. Deshalb stelle er sich unter anderem die Einrichtung eines so genannten Demografie-Tandems vor. Dabei sollten gemeinsam mit Bürgern Zukunftsbilder für die Energieregion Weserbergland zu diesem spezifischen Thema entworfen und in das Masterplan-Konzept eingebracht werden.

 

Aber auch für die Bereiche Energieversorgung, Raum und Mobilität, Gebäudeenergieeffizienz, Wirtschaft, regionale Wirtschaftskreisläufe/Abfallwirtschaft und klimaneutraler Alltag müssten eigene Strategiegruppen mit geladenen Experten gegründet werden. Die Ergebnisse aus dem Arbeitsprozess der Strategiegruppen sollten eine Grundlage für die Entwicklung beziehungsweise Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Weserbergland in den kommenden Dekaden darstellen. Diese beschreibe schließlich eine Vision für 2050, definiere Maßnahmen und erläutere die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen.

 

Die Region könne stolz sein, ist der Klimaschutz-Experte überzeugt. „Als Masterplan-Kommunen sind wir Vorreiter unter den Klimaschutzregionen.“ Timm: „Die Einbindung aller Akteure in den drei Landkreisen ist ein wichtiges Element auf dem Weg zur Null-Emissionen-Region“. Vor allem die Einbindung der hiesigen Unternehmen und der Bürger sei fürs Gelingen ausschlaggebend. Das 916.000-Euro-Projekt mit vier Jahren Laufzeit und einer Fördersumme aus Berlin mit 775.000 Euro markiere den Anfang eines ganz neuen Klimaschutz-Kapitels des Weserberglands und stelle einen Türöffner dar für weitere Schlüsselprojekte und Fördergelder aus Berlin.

Ihr Ansprechpartner: Daniela Riekenberg, Larisa Purk