"Hamelner Erklärung" eröffnet Reihe von Fachkonferenzen

Das Bündnis "Hamelner Erklärung" lud zur ersten Fachtagung in Fulda. Foto: ns
Das Bündnis "Hamelner Erklärung" lud zur ersten Fachtagung in Fulda. Foto: ns

Das Bündnis „Hamelner Erklärung“ zur Begleitung der Stromtrasse SuedLink hat eine neue Reihe von Fachkonferenzen eingerichtet: Gestern startete die Reihe mit der „Fachtagung Bodenschutz“ in Fulda.

Der Netzbetreiber TenneT arbeitet derzeit mit Hochdruck an den neuen Planungen des durch die Energiewende notwendigen Ausbaus der Stromleitungen. Voraussichtlich im September werden erste räumliche Ergebnisse in Form von Untersuchungsräumen vorliegen, bevor dann der Antrag nach § 6 NABEG gestellt werden wird.

 

Die Bundesregierung hat im Bundesbedarfsplan 2012 festgelegt, den im Norden produzierten Windstrom vor allem über vier Höchstspannungs-Gleichstrom-Trassen in die Verbrauchszentren in den Süden Deutschlands zu transportieren. Um die daraus resultierenden Planungen für den so genannten SuedLink eng zu begleiten und gemeinsam die Interessen der potenziell von der Streckenführung betroffenen Landkreise zu vertreten, hat sich im Dezember 2014 das Bündnis der „Hamelner Erklärung“ gebildet. Nahezu zeitgleich reichte TenneT im Dezember 2014 den ersten Planungsantrag bei der Bundesnetzagentur ein. Auf diesen Antrag hat das Bündnis in kürzester Zeit mit einer fachlichen Stellungnahme geantwortet. Die Bundesnetzagentur hat im Wesentlichen aus den vom Bündnis genannten Gründen von TenneT eine völlige Überarbeitung des Antrags erlangt.

 

Das Bündnis hat weiterhin dafür gekämpft, dass die Gleichstromleitungen als Erdkabel ausgeführt werden. Die Voraussetzungen dafür hat der Bundesgesetzgeber im Dezember 2015 geschaffen. Die Leitungen sollen „möglichst gradlinig“ zwischen den im Gesetz festgelegten Anfangs- und Endpunkten verlaufen. Daraus ergibt sich ein völlig neuer Suchraum für die künftige Leitungsverlegung.

 

„Durch den neuen Untersuchungsraum werden sich unter Umständen auch andere Betroffenheiten ergeben“, erklärt der Sprecher der „Hamelner Erklärung“, Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels. Das Bündnis lade deshalb potenziell vom Ausbau betroffene Landkreise ein, sich die bereits gemachten Erfahrungen zu Nutze zu machen und dem Zusammenschluss beizutreten. Die Erfahrung der vergangenen Jahre habegezeigt, dass die Interessen der von den Landkreisen repräsentierten Bürger in die Planung nur dann effektiv eingebracht werden könnten, wenn bereits frühzeitig Einfluss genommen werde.

 

Um die Erfahrungen und Erkenntnisse möglichst breit zu streuen, veranstaltet jetzt das Bündnis der „Hamelner Erklärung“ gemeinsam mit seinen Beratern, der DE WITT Rechtsanwaltsgesellschaft mbH mit Siegfried de Witt und Dr. Peter Durinke sowie mit OECOS GmbH mit Prof. Karsten Runge die Reihe der Fachveranstaltungen. Beim Auftakt in Fulda ging es um das Thema „Bodenschutz an HGÜ-Erdkabeltrassen“.  Neben Landkreis-Vertretern waren auch Bauern- und Landschaftsverbände sowie Bürgerinitiativen eingeladen, sich über das Thema zu informieren. In prägnanten Vorträgen diskutierten Spezialisten unterschiedlicher fachlicher Ausrichtung mit einem motivierten Publikum.

 

Rechtsanwalt Dr. Peter Durinke gab vor den rund 100 Zuhörern einen fachlichen Überblick über die Planungsmaßstäbe aus rechtlicher Sicht nach dem neuen NABEG und weiteren Umweltgesetzen. Ebenfalls auf großes Interesse stieß der Praxisbericht von Diplom-Ingenieur Sascha Eigelt, der als Projektleiter der Firma Vorwerk detaillierten Einblick in die Realisierung von erdverlegten Gasleitungen gab. Auch er nannte zahlreiche Anhaltspunkte, wie mit passender Planung und gutem fachlichem Vorgehen das Schutzgut Boden sowohl im der Bauphase geschont werden und in der späteren Rekultivierungsphase wieder die gleiche Qualität wie vor dem Eingriff erreicht werden kann. Neben diesen „best pratice“ Beispielen zeigte er aber auch Beispiele und Ergebnisse einer fehlgeleiteten Planung, gab er gleichzeitig Hinweise zur Vermeidung.

 

Dr. Karl Severin von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vertrat die Nutzer der Flächen – vor allem Landwirte. Bei grundsätzlichem Verständnis für die Notwendigkeit der Trassierung führte er an, dass das komplizierte Ökosystem „Boden“ hohe Aufmerksamkeit verdiene und die in der Bau- und Rekultivierungsphase entstehenden Verluste adäquat entschädigt werden müssten.

 

Mit Prof. Dr. Ingo Sass vom Geothermischen Institut der TU Darmstadt war auch ein Geothermiker anwesend, der ein differenziertes Bild über die verschiedenen Bodentypen und deren Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit darlegte. Zwar sei nach seiner bisherigen Forschung nicht mit einer Erwärmung der Erdkrume zu rechnen, die thermische Leitfähigkeit des Bodens sei aber für den Wirkungsgrad des Erdkabels von hohem Belang und müsse daher Berücksichtigung finden.

 

Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT konnte mit dem Gesamtprojektleiter Dr. Christoph Thiel erste Antworten auf das weitere Planverfahren geben und verwies darauf, dass TenneT zunächst bis zum Herbst den Untersuchungsraum mit einer völlig neuen Methodik festlege, um daraus einen neuen Antrag nach § 6 NABEG zu entwickeln. Dieser Antrag werde dann auch neue Vorschläge für Trassen enthalten und sei im Frühjahr 2017 zu erwarten.

 

 

Ihr Ansprechpartner: Sabine Buntrock, Larisa Purk