800 Mal „Nein" zu Plastiktüten

Beim zweiten Aufschlag der Kampagne „Unser Landkreis ohne Plastiktüten“ haben 800 Innenstadtbesucher von Hameln „Nein“ zu Plastiktüten gesagt.

Am Samstag zwischen 10 und 16 Uhr zogen die Mitarbeiter der Klimaschutzagentur und die Jugendlichen der lokalen Umweltgruppe „KliMotion“ durch die Fußgängerzone von Hameln, sammelten die Plastiktüten der Passanten ein und verschenkten dafür hochwertige Trendtaschen aus Öko-Baumwolle.

Die Kampagne war im vergangenen Jahr von der Klimaschutzagentur, der Umwelt-Jugendgruppe „KliMotion“ in Kooperation mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont gestartet worden. Sie wird von der Bingo-Umweltstiftung gefördert. Das Ziel: Hameln-Pyrmont soll bis 2020 frei von Kunststofftaschen werden. „Der Konsum von Plastiktüten trägt zu wachsenden Müllbergen bei und belastet Mensch und Umwelt“, erläutert Klimaschutzmanager Dorian Maerten. Plastiktüten werden in Deutschland seit 1961 ausgegeben. Deutschland zählt neben Italien, Spanien und Großbritannien zu den absoluten Spitzenreitern beim Plastiktütenverbrauch. Jährlich entstehen allein durch die Kunststoff-Tragetasche 2,3 Kilogramm Verpackungsmüll pro Einwohner. Plastiktüten belasten vor allem wegen ihrer Widerstandfähigkeit und Langlebigkeit die Umwelt. Je nach Plastiksorte dauert der Zerfallprozess bis zu 500 Jahre. „Wir möchten Verbraucher dazu animieren, ,Nein‘ zu Plastiktüten zu sagen,“ so Maerten. Mit dem Druck der Öffentlichkeit lasse sich auch ein Umdenken im Handel erreichen.„Zum umweltbewussten Einkauf gehört eine plastikfreie Mehrwegtasche.“

Auch Papier- und Bioplastiktüten belasten die Umwelt. Für Tragetaschen aus Papier sind besonders lange und damit reißfeste Zellstofffasern notwendig, die zuvor aufwändig mit Chemikalien behandelt werden müssen. Bioplastiktüten weisen im Vergleich zu herkömmlichen Plastiktüten bei ihrer Herstellung einen geringeren CO2-Ausstoß auf und der Verbrauch von Erdöl entfällt. Doch die Herstellung von Bioplastiktüten belastet die Umwelt durch großflächige Monokulturen und Düngemittel für die Pflanzen. Dies führt zu einer Nährstoffanreicherung von Gewässern und sauren Böden.

Die Mehrwegtasche der Kampagne ist nicht nur naturfreundlich, sondern hat auch absolutes Trendsetter-Potenzial. Der Beutel ist jüngst mit dem Logo der Hamelner Wettbewerbs-Gewinnerin Anna-Lea Welz aufgewertet worden. Ihr Entwurf mit dem Erdball und den typischen Wahrzeichen der Region wie Rattenfänger und Pyrmonter Kreuz hatte die hochkarätige Jury überzeugt.

Landrat Tjark Bartels unterstützte die Tauschaktion. Ab 14 Uhr warb er vor dem Haupteingang der Stadtgalerie für einen Landkreis ohne Plastiktüten und animierte die Passanten zum Mitmachen. Der Landkreis wolle bei Verbrauchern und dem Einzelhandel in der Region das Bewusstsein schaffen, auf Plastiktüten zu verzichten, so Bartels. Angestrebt werde eine Kooperation mit dem Einzelhandel und einzelnen Supermärkten, die dafür gewonnen werden sollten, umweltfreundliche Alternativen zur Plastiktüte einzuführen.

 Ein Teil der gesammelten Tüten wird zurück in die Geschäfte gebracht. So sollen die Händler vor Ort zur Diskussionüber das Thema angeregt werden. „Vom Handel gibt es schon jetzt positive Signale zur Kooperation“, sagt Dorian Maerten von der Klimaschutzagentur Weserbergland.

Ihr Ansprechpartner: Sabine Buntrock, Larisa Purk