G7-Gipfel: "In Bayern nichts Neues"

Beim G7-Gipfel in Bayern bekundeten die Lenker der Industrienationen ihre Absichten, den weltweiten Klimawandel zu stoppen. Der G7-Gipfel hatte sich unter Vorsitz der Bundeskanzlerin Angela Merkel auf den Abschied von Kohle, Öl und Erdgas "im Laufe des Jahrhunderts" verständigt. In der Abschlusserklärung heißt es, die Energiewirtschaft solle bis zum Jahr 2050 "umgebaut" werden - also auf erneuerbare Quellen umgestellt. "Jetzt müssen nach dem Bekenntnis Taten folgen", fordert Tobias Timm, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland. Die Staatsoberhäupter könnten sich ausrechnen, "dass die ehrgeizigen Ziele kaum etwas wert sind, wenn China und Indien sich ausschließen". Zwar sei China auf dem richtigen Weg, doch Indien gehe nach wie vor keinerlei bindende Verpflichtung ein, den Ausstoß von Treibhausgasemissionen zu beschränken.

Diplomatisches Geschick sei gefragt. Im Dezember steht die nächste große UNO-Konferenz zum Klimawandel in Paris auf dem Programm. Bis dahin soll das Kyoto-Protokoll, das 2020 ausläuft, auf den neuesten Stand gebracht werden. "Das einzige Abkommen fast aller Staaten, in dem die Länder sich auf eine Obergrenze für ihren Ausstoß an Klimagiften festgelegt haben, muss eine Neuauflage erfahren", meint Timm. Sollte das nicht gelingen, werde die gemeinsamen Anstrengung der Staatengemeinschaft, den Anstieg der weltweiten Temperatur auf zwei Grad zu begrenzen, torpediert.

 

Timm fordert außerdem klare Handlungen der Bundesregierung zur Klimapolitik. Eine nachhaltige Energieversorgung funktioniere nur mit Erneuerbaren Energien, betonte er. Kritisch sieht er das formulierte Ziel, bis 2050 40 bis 70 Prozent weniger Emissionen auszustoßen als 2010. "Das ist nicht Neues." Ehrgeiziger seien die früheren Beschlüsse gewesen, die prozentual höhere Einsparpotenziale im Visier gehabt hätten. Die vollmundigen Versprechen der Bundesregierung hält der Agentur-Chef für eine Hinhaltetaktik. In Deutschland könne sich die Regierung noch nicht einmal auf eine Abgabe für besonders klimaschädliche Kraftwerke einigen. Er fordert "Taten statt Worte" - so wie es die regionalen Klimaschutzagenturen schon angehen würden. Nur mit Aktionismus lasse sich noch das Ziel erreichen, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die Klimaschutzagentur Weserbergland setzt verstärkt auf die Sensiblisierung der Menschen vor Ort. Mit ihrer Beratungsleistung rund um energetische Sanierung beispielsweise ließen sich in der hiesigen Region innerhalb nur eines Jahres rund 20.000 Tonnen Treibhausgasemissionen einsparen.

Ihr Ansprechpartner: Sabine Buntrock, Larisa Purk