SuedLink: Experten kritisieren TenneT-Planung

Die 21 Landkreise der „Hamelner Erklärung“ haben jetzt der Bundesnetzagentur die vertiefte Bewertung des SuedLink-Antrags durch die DE WITT Rechtsanwaltsgesellschaft mbH und der OECOS GmbH (Büro für räumliche Planung und Umweltuntersuchungen) übermittelt. Die dort dargestellten Kritikpunkte erfordern nach Meinung des Bündnisses eine grundlegende Überarbeitung durch TenneT. „Ein Abschluss bis zum Sommer, wie von TenneT erhofft, ist damit unrealistisch“, so der Sprecher der „Hamelner Erklärung“, Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels. Damit könne es auch keine Antragskonferenzen mehr in diesem Jahr geben.

Prof. Dr. Ing. Karsten Runge Runge, Geschäftsführer von OECOS, betont, dass „die Bündelung mit vorhandenen Hochspannungsleitungen und Autobahnen letztlich für TenneT das wichtigste Kriterium ist. Dadurch wird die Leitung unnötig direkt in besiedelte Gebiete geführt.“ Siedlungszentren seien jedoch vorrangig zu meiden. „Der Trassenkorridor-Vergleich ist willkürlich und entspricht keiner guten fachlichen Praxis“, kritisiert er.

Nach Analyse der DE WITT Rechtsanwaltsgesellschaft mbH und der OECOS GmbH enthält der Antrag des Stromtrassenbetreibers zahlreiche weitere rechtliche und fachliche Mängel. Unter anderem würden die Standorte der Konverter am Anfang und Ende der Leitungen fehlen. „Sie enden jeweils im Nichts“, so Prof. Runge. Außerdem gäbe es keinerlei Angaben zur Technologie, zu den Immissionen von Ozon und Stickoxiden sowie zur Wirkung elektrischer und magnetischer Felder.

„Die Methode der Planung ist mangelhaft“, rügt Bartels. Kriterien würden willkürlich nach Bedarf verändert. Vorsorge-Abstände zu Siedlungen und Wohnungen, die der neuen HGÜ-Technik angemessen wären, würden nicht berücksichtigt.

Die Bundesregierung bereitet derzeit eine erweiterte Nutzung von Erdkabeln vor. Rechtsanwalt Dr. Durinke (DE WITT Rechtsanwaltsgesellschaft mbH) fordert: „Die Möglichkeit zur weiträumigen Verkabelung muss bereits in der Bundesfachplanung berücksichtigt werden.“ Das habe unmittelbar Auswirkung auf die Wahl des geeigneten Trassenkorridors.

Die Landkreise wollen vertsärkt den Dialog mit der Bundesnetzagentur und TenneT suchen, um ihre Kritikpunkte vertieft zu erläutern. Mit Blick auf das kommende Verfahren ist Bartels sicher, dass "sich nur mit einer Planung, die transparent und nachvollziehbar ist und gleichzeitig im Wesentlichen eine Erdverkabelung vorsieht, Akzeptanz erzielen und am Ende der Zeitplan einhalten lässt".

Ihr Ansprechpartner: Sabine Buntrock, Larisa Purk