Hamelner Kreise plädieren für Erdverkabelung

„Vorrangig Erdverkabelung - und nur in Ausnahmefällen die Strommasten auf der SuedLink-Trasse.“ So lautete die übergeordnete Forderung von Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels und der Sprecher des Bündnisses „Hamelner Erklärung“ im Rahmen der Fachkonferenz zum Einsatz von Erdkabel im Zusammenhang mit dem derzeitigen SuedLink-Trassenvorschlag für eine Höchstspannungs-Übertragungsleitung von Nord- nach Süddeutschland.

Die gestrige Fachkonferenz zum Einsatz von Erdkabeln in Kassel war mit mehr als 250 interessierten Besuchern komplett ausgebucht, Fachreferenten aus Wissenschaft und Industriestellte zahlreiche neue Erkenntnisseund aktuelle Aspekte vor,unter anderem zu den gesetzlichen und technischen Möglichkeiten der Erdverkabelung, den möglichen Einschnitten in die Umwelt sowie zu wirtschaftlichen Kriterien. Das Teilnehmerfeld war vielfältig besetzt: Neben Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung konnte Kassels Landrat Uwe Schmidt im Rahmen des Kongresses Fachleute aus Industrie und Forschung, Vertreter der Bundesnetzagentur sowie der Betreiberfirma Tennet und auch Bürgerinitiativen im Hermann-Schafft-Haus begrüßen.

 

"Die Kabellösung bringt auch Probleme mit sich, denn die unterirdische Verlegung von Erdkabeln wird sich auch nicht gänzlich ohne Eingriff in die Natur bewerkstelligen lassen undbeispielsweise in bestimmten Naturschutzgebieten wie Hochmooren an Grenzen stoßen", erklärte Prof. Dr. Karsten Runge (OECOS Gmbh) zum Auftakt der Veranstaltung. Er räumte aber auch dass, dass diese Maßnahme ja als ein einmaliger Eingriff zu bewerten sei. „Im Betrieb sind die Störungen weitaus geringer. Die Störungs- und Eingriffsbilanz spricht deutlich für das Erdkabel."

 

Nach übereinstimmender Meinung aller Fachleute sind die Kosten für die Erdverkabelung deutlich geringer als die für Strommasten. Ein Drittel weniger Finanzmittel würde allein die Einrichtung der Erdverkabelung verschlingen. Beziehe man die die Unterhaltung und sämtliche Folgeschäden durch eine Freileitung wie Wertverluste, fehlende Wertschöpfung aus dem Tourismus und Entwicklungshemmnisse mit ein, so stelle die Erdverkabelung sogar eine 70 Prozent günstiger Variante dar.

 

Die Experten zeigten sich mehrheitlich einig, dass die Höchstspannungsleitung als Pilotprojekt unkalkulierbare erhebliche gesundheitliche Auswirkungen und Unsicherheiten durch Magnetfelder und elektrische Felder mit sich bringen könnten. Bei der Erdverkabelung seien diese hingegen von vornherein ausgeschlossen. Bartels animierte das Forum, sich für die Erdverkabelung stark zu machen. "Wir werden damit in Deutschland Technologievorreiter und können Lösungen für andere Länder anbieten. Denn das Problem des Umbaus der Stromnetze gibt es auf der ganzen Welt."

 

Beeindruckt zeigte sich das Publikum von den Ausführungen zu den technischen Details. Sowohl in der Verlegetechnik als auch in der Kabeltechnologie habe es in den vergangenen Monaten riesige Fortschritte gegeben, betonte der Leiter des Energieforschungszentrums Niedersachsen, Prof. Dr. Ing. Hans-Peter Beck. Platzsparende Varianten bei der Verlegetechnik seien heute Gang und Gäbe.

 

Die Vertreter der mehr als 20 Landkreise der „Hamelner Erklärung“, die in der Fachkonferenz die Zusatzbezeichnung "Hamelner Kreise" beschlossen haben, sahen sich in ihrem Widerstand gegen Verlauf und Planung der Stromtrasse bestätigt. Sie blickten Richtung Bundeshauptstadt und appellierten an Bundeswirtschaftsministerium und Bundestag, in Sachen Erdverkabelung zügig tätig zu werden. "Wir hoffen auf eine beherzte Entscheidung aus Berlin, die einen Paradigmenwechsel einläutet“, erklärte Bartels. Nur noch Ausnahmefällen solle die Errichtung von Freileitungen, also Strommasten, zulässig sein, forderte er.

Ihr Ansprechpartner: Sabine Buntrock, Larisa Purk