"Erhebliche Widersprüche bei Trassenplanung"

Wissenschaftliche Kritik zum Vorgehen des Stromtrassenbetreibers TenneT bei SuedLink: Vor Vertretern des 20-Landkreise-Bündnisses „Hamelner Erklärung“ stellten jetzt die Wissenschaftler Prof. Dr. Karsten Runge und Dr. Joachim Hartlik ihren Bericht zur Planung des derzeitigen Trassenverlaufs vor. Beide Forscher waren von dem kommunalen Zusammenschluss beauftragt worden, das Vorgehen des Trassenbetreibers rechtlich zu prüfen. Ihr Fazit: Der Antrag von TenneT enthält eine Vielzahl methodischer Fehler, die teilweise erhebliche Folgen haben.

Zwischen Text und zeichnerischer Darstellung gebe es erhebliche Widersprüche. Ferner fehlten in der Bewertung wesentliche Punkte. Weiter fehle jegliche Aussage zur Gesundheitsgefährdung.

 

Der Gesetzgeber erlaube die Gleichstrom-Freileitung aufgrund der unbekannten Auswirkungen auf die Gesundheit nur als Pilot. „Im Antrag findet sich nichts dazu, man hätte aber wenigstens Sicherheitsabstände und die wissenschaftliche Begleitung beschreiben müssen“, so die Wissenschaftler.

 

Die gesamte Planung sei zudem in hohem Maße beliebig. So gebe es zahlreiche Kriterien, die in der Vorauswahl mit hoher Bedeutung Trassen ausgeschlossen hätten. Im späteren Vergleich würde dasselbe Kriterium aber komplett ausgeblendet.

 

Die Liste der Unausgegorenheiten ließe sich lang fortsetzen, meinten die Forscher. Sie bestätigten die Auffassung des Landkreisbündnisses, dass die Wirtschaftlichkeit und der kürzeste Weg bei der Planung erheblich mehr Gewicht als Mensch und Umwelt hätten. Der Sprecher des Zusammenschlusses, Tjark Bartels, fühlte sich darum auch bestätigt mit der Meinung, dass die Trassenplanung zügig korrigiert werden müsse. „Besser ist es, jetzt einen Schnitt zu machen und mit hoher Akzeptanz eine neue Erdkabeltrasse zu planen“, so Hameln-Pyrmonts Landrat.

 

Die Landkreise, die die Hamelner Erklärung gemeinsam unterzeichnet hatten, plädieren für die Erdverkabelung. Jedes Leitungsausbauvorhaben werde landschaftliche Ressourcen verbrauchen und möglicherweise auch Lebensqualität einschränken. Wo immer möglich, müssten diese Belastungen durch eine weitgehende Erdverkabelung reduziert werden. Bartels: „Infrastruktur ist ein Muss in einem Industrieland. Aber ebenso die Einhaltung grundlegender Spielregeln und die Ausnutzung der technischen Möglichkeiten zur Reduzierung der Folgen“

Ihr Ansprechpartner: Sabine Buntrock, Larisa Purk