Drei-Länder-Bündnis gegen Trassenentwurf

Das in dieser Form erste länderübergreifende Bündnis gegen die Vorschlagstrasse der Höchstspannungsleitung SuedLink, zu dem sich die nordrhein-westfälischen Kreise Höxter und Lippe, die niedersächsischen Landkreise Hameln-Pyrmont und Holzminden sowie die Region Hannover und die hessische Gemeinde Bad Emstal zusammengeschlossen haben, übt erneut scharfe Kritik am Vorgehen des Netzbetreibers TenneT. Die neuen Alternativtrassen entlang der bisherigen so genannten Hauptvorschlagstrasse Mitte/West, die Netzbetreiber TenneTam 26. September bekannt gemacht hatte, weist das Drei-Länder-Bündnis als inakzeptabel zurück.

„Die von TenneT als Projektdialog angepriesene Öffentlichkeitsarbeit ist aus unserer Sicht eine Farce und reine Augenwischerei. Die verzettelte Diskussion über kleinräumige Trassenalternativen blendet das Wesentliche aus, nämlich die Vorfestlegung auf die so genannte Vorschlagstrasse Mitte/West. Eine solche Vorfestlegung lehnen wir ab“, kritisiert der Sprecher des Drei-Länder-Aktionsbündnisses, Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels, das Vorgehen des Netzbetreibers TenneT.

Seit Monaten fordert das Bündnis eine großräumige Betrachtung aller vier Trassenkorridore von Wilster nach Grafenrheinfeld. „Es ist unverständlich, warum TenneT sich weigert, seine Argumente und Kriterien für die Trassenauswahl offenzulegen“, kritisiert Bündnis-Sprecher Bartels die mangelnde Transparenz.

Richtig wäre es, der Öffentlichkeit die Entscheidungskriterienund ihre Gewichtung bekannt zu machen, darüber in Dialog zu treten und erst dann eine Festlegung auf eine der vier großräumigen Trassen zu treffen. „Dieser wichtige Schritt ist übersprungen worden“, so Bartels. Damit würden die Möglichkeiten der betroffenen Bürger und der betroffenen Gebietskörperschaften erheblich beschnitten.

„Wir fordern eine ergebnisoffene Diskussion über alle vier großräumigen Trassenvarianten“, appelliert das Drei-Länder-Bündnis an den Netzbetreiber TenneT. Neue Trassenalternativen würden offensichtliche Raumwiderstände missachten. Im Kreis Höxter würden die neuen von TenneT bekannt gemachten Alternativen östlich und westlich des bisherigen Trassenentwurfs Kulturschätze, Naturschutzgebiete und Infrastruktureinrichtungen ignorieren.

„Diese handwerklichen Mängel springen sofort ins Auge“, ist der Landrat des Kreises Höxter, Friedhelm Spieker, empört. Missachtet habe TenneT bei seinen Alternativentwürfen beispielsweise die Sichtbeziehungen zum Weltkulturerbe Corvey, den Flugplatz Höxter-Holzminden, das geplante Trianel-Pumpspeicherkraftwerk, Windenergiekonzentrationszonen und ein bedeutendes FFH-Gebiet.

„Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für unsere Region. Das wird von TenneT offenbar ignoriert. Die Schönheit der Landschaft, die Kulturgüter, die Gebiete der Erlesenen Natur sind touristische Schätze, die es zu schützen gilt“, bekräftigt Landrat Spieker seine Kritik. „Mit diesem Vorgehen verspielt TenneT seine Glaubwürdigkeit“, so Spieker.

Um so wichtiger ist den Vertretern des Drei-Länder-Bündnisses, dass die kooperierenden Kommunen eine eigene Raumwiderstandsanalyse zu der Vorschlagstrasse Mitte/West auf den Weg gebracht haben, die gemeinsam mit der Klimaschutzagentur Weserbergland erstellt wurde. Insgesamt wurden 329 Raumwiderstände erfasst, davon werden 243 Raumwiderstände als sehr hoch eingestuft.

Die Zusammenfassung:

  •  Zehn FFH-Gebiete und elf Naturschutzgebiete
  •  Brutgebiete von geschützten Vogelarten wie Uhu, Rotmilan, Schwarzstorch, Grünspecht, Eisvogel und Fledermäuse
  • Wohngebiete und landwirtschaftliche Betriebe sind betroffen, insbesondere auch sensible Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Sportanlagen, Altenheime, Forensische Klinik und Krankenhäuser, Schwimmbäder
  • Tourismus: 1,2 Milliarden Euro gefährdete Wertschöpfung im Tourismussektor, 64,5 Millionen jährliche Besucher sowie 6,2 Millionen jährliche Übernachtungen
  • Ausgewiesene Vorranggebiete für Rohstoffabbau, Windenergieanlagen und Siedlungsbezug
Die umfassende Raumwiderstandanalyse wird das Drei-Länder-Bündnis in das kommende Antragsverfahren einbringen. Einen rechtlichen Beistand hat das Bündnis schon an seiner Seite. Im nächsten Schritt werden Fachplanungsexperten zur Unterstützung und Verfahrensbegleitung hinzugezogen.

 

 

Ihr Ansprechpartner: Sabine Buntrock, Larisa Purk