"Ein Regenwurm kann super spannend sein" - Lesung mit Tina Ruland avancierte zum Klima-Kultur-Highlight

Die erste Umwelt-Charity-Lesung der Klimaschutzagentur Weserbergland feierte Premiere – und mehr als 100 Gäste folgten der Einladung zum Klima-Kultur-Treff auf den Klüt. Schauspielerin Tina Ruland war extra aus Berlin angereist, um Texte aus dem Erfolgsbuch „Das letzte Kind im Wald“ des US-Autoren Richard Louv vorzutragen. Der Schriftsteller versteht es, die Zusammenhänge gesunder Entwicklung mit dem beständigen Kontakt der Kinder zur Natur aufzuzeigen. Das unterstrich Tobias Timm, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland, in seiner Begrüßungsansprache. Genauso verwies er auf die Hintergründe, die die Agentur zu der Veranstaltungsidee gebracht hatte. Die Natur als bedeutungsvoller Faktor für Bildung und Herzensbildung zu schützen sei die eine Seite, die Voraussetzungen dafür zu schaffen die andere. Die Klimaschutzagentur Weserbergland sei angetreten, um gemeinsam mit dem Menschen in der Region die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 zu senken. Das ist auch im Integrierten Klimaschutzkonzept des Landkreises so festgelegt.

Was geschieht, wenn die Natur im Alltag kaum noch erfahren wird? Verlieren die Kinder dann Entwicklungspotenziale? Büßen die Mädchen und Jungen ihre Kreativität ein und werden um Lebensfreude betrogen. Antworten auf diese Fragen gibt Richard Louv in seinem Buch. Und Tina Ruland interpretierte diese nach dem musikalischen Auftakt mit Violinenspiel der Künstlerin Sabine Krauthäuser an diesem Klima-Kultur-Abend auf dem Klüt. Die Bambi-prämierte Schauspielerin trug die Texte des US-Autors eindrucksvoll vor, zitierte Kapitel, in denen es auch unter anderem um die heute vielfach diagnostizierte Aufmerksamkeitsstörung bei Kids ging. Richard Louv benennt in seinem Sachbuch den Verlust an Naturerfahrung als Auslöser für diese Beeinträchtigung. Der Schriftsteller sinniert aber auch über seine eigene Jugend, in der er so viel mehr Kreativität in der Natur ausleben durfte als die heutige junge Generation. Die Mädchen und Jungen seien oft die ganze Woche verplant, ein Termin jage den nächsten. Der Leistungsdruck sorge dafür, dass grüne Erlebnisse zur Nebensache würden. Die seien aber gerade so wichtig für die Entwicklung. Manche Nationen hätten bereits die Zeichen der Zeit erkannt. An finnischen Schulen beispielsweise stünden die Naturerfahrungen wieder im Vordergrund.

 

Tina Ruland schätzte sich glücklich, ihr Publikum in dieser wundervollen Kulisse mit Blick über Hameln treffen zu können und plauderte im Anschluss an die Lesung über ihre Erfahrungen mit Naturerlebnissen in der Kindheit. Erinnerungen an ihre eigene Jugend wurden wach („Wir waren ständig draußen“). Zeit, eigene Kreativität zu entwickeln, habe sie gehabt. Und das ermögliche sie auch ihren eigenen Kindern im Haus mit Garten ohne Computer im Kinderzimmer. „Die liebsten Spielgefährten meines Dreijährigen sind Nacktschnecken. Und Kellerasseln, weil die sich so wunderbar rollen.“ Der Abenteuerspielplatz vor der Tür lehre den Kindern Respekt vor Umwelt und Tieren. „Wir wohnen in Bullerbü in der Hauptstadt“, verriet Tina Ruland schmunzelnd. Ihre Kinder spielten mit Alltagsgenossen mitten auf der Straße, entdeckten die Natur – ganz nach dem Motto „Ein Regenwurm kann super spannend sein“.

 

Gern plauderten die Gäste im Zuhörerkreis mit der Schauspielerin, Zum Beispiel über die Schulen, deren Schulhöfe viel mehr Naturcharakter bieten sollten. „Mein Großer geht auf eine Schule mitten in Berlin mit Waldboden und Bäumen als natürlichen Sonnenschutz auf dem Schulhof. Die Kinder können sich ausleben in der Pause. Aggression und Mobbing auf dem Schulhof gibt’s da nicht“, betonte die Künstlerin und Umwelt-Aktivistin, die sich unter anderem für die Umweltorganisation One Earth – One Ocean,die sich die Reinigung der globalen Gewässer vom Plastikmüll auf ihre Fahnengeschrieben hat, sowie für die Tierschutzorganisation Peta engagiert.

 

Viele konkrete Vorschläge für Eltern, Schulen und Kommunen zitierte Tina Ruland auch aus dem Buch. Ideen, die den Weg zurück zur Natur ebenen. Ideen, die der Entwicklung der Kinder und der Gesellschaft insgesamt gut tun.

 

In seinem Buch stützt sich Richard Louv auf zahlreiche Interviews und Gespräche, die er mit Wissenschaftlern, Eltern, Kindern, Lehrern und Pionieren der Umweltbewegung geführt hat. Liest man ihre Erfahrungen und Erzählungen, tritt viel Überraschendes zutage und es zieht den Leser wie magisch nach draußen – zurück in die Natur. Hans-Jürgen Hesse von der BioenergieRegion Weserbergland plus, Mitgastgeber der Umwelt-Charity-Lesung, bezeichnete die Ausführungen des US-Schriftstellers auch als Motivation, den Einsatz von Bioenergie zu fördern und durch die Einbindung der Bevölkerung vor Ort einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in der Region zu leisten. 

 

Ihr Ansprechpartner: Sabine Buntrock, Larisa Purk