Energetische Sanierung ist nicht für höhere Mieten verantwortlich

„Energetische Sanierung ist nicht für die allgemeinen Mietpreissteigerungen verantwortlich.“ Das betont Tobias Timm, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland, und widerspricht damit einer Reportage der ARD im Rahmen des Magazins „Report Mainz“, das in einem Beitrag energetische Sanierungsmaßnahmen als Ursache für gesteigerte Mieten deklarierte. Im Gegenteil: Zahlreiche Studien hätten bewiesen, dass sich durch umweltgerechte Modernisierung erhebliche Einsparungen beim Energieverbrauch verzeichnen ließen. Timm verweist auf die Ergebnisse einer Analyse der Deutschen Energie-Agentur (dena).  

Danach wurden 2010 rund 250 Gebäude untersucht, die nach energetischer Sanierung auf einen sehr guten Energiestandard gebracht werden konnten. Stephan Kohler, dena-Geschäftsführer: „Einer durch die energetischen Maßnahmen fälligen Kaltmietensteigerung um durchschnittlich 82 Cent pro Quadratmeter steht eine Heizkostenersparnis von 92 Cent pro Quadratmeter gegenüber.“ Die energetische Sanierung sei nicht das Problem, sondern die Lösung bei steigenden Energiekosten.

 

Kohler macht andere Ursachen für viele Mietsteigerungen aus: Alte Häuser, in denen trotz guter Stadtlage bisher eine geringe Miete fällig wurde, können nach einer Aufwertung durch eine umfassende Sanierung deutlich höhere Mieten erzielen. Diese Chance würden Eigentümer natürlich nutzen. Zwar würden diese Häuser dann auch häufig energetisch saniert – die hohe Preissteigerung sei aber zu einem guten Teil auf die „Schönheitssanierung“ zurückzuführen. 

 

In anderen Fällen würden im Zuge einer energetischen Sanierung über lange Zeit nicht erhöhte Mieten an ein allgemein gestiegenes Niveau angepasst. Diese Effekte treten besonders in den deutschen Großstädten häufig auf und treffen tatsächlich oft einkommensschwache Menschen, die schon lange in ihren Wohnungen leben. „Dass der Deutsche Mieterbund dieses Problem angehen möchte, ist wichtig und richtig. Man soll es aber bitte nicht der energetischen Sanierung in die Schuhe schieben“, fordert Kohler.

 

Bei umfassenden Gebäudesanierungen fallen drei Arten von Kosten an, die ein vermietender Eigentümer klar trennen muss: So genannte „wohnwertverbessernde Maßnahmen“ – beispielsweise eine Badmodernisierung oder die Anbringung von Balkonen – verbessern zwar die Wohnqualität, verursachen aber auch erhebliche umlagefähige Kosten und sparen per se keine Energie. Weiterhin sind die „Instandsetzungs- und Erhaltungskosten“ bei alten Häusern nicht unerheblich. Hier geht es um notwendige Maßnahmen zum Erhalt des Hauses, beispielsweise die Putzerneuerung oder neue Dachziegel. Diese Kosten muss der Vermieter allerdings aus seinen laufenden Mieteinnahmen zahlen und darf sie nicht umlegen – auch wenn sie zu einem geringeren Energieverbrauch führen. Schließlich gibt es die Kosten für neue energetisch wirksame Bestandteile: zum Beispiel eine neue Solarwärmeanlage oder eine neue Dämmung. Diese Kosten einer energetischen Sanierung darf ein Vermieter an den Mieter weitergeben – und laut der dena-Studie kommt der Mieter dabei auf Grund der eingesparten Energiekosten gut weg.

 

Kohler sieht dennoch die Politik in der Pflicht, für die energetische Sanierung von Mietwohngebäuden bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. „Eine bessere Förderung wäre geeignet, dem Thema die Schärfe zu nehmen. Da die Eigentümer den Anteil der Kosten einer energetischen Sanierung, für den sie ohnehin eine staatliche Förderung bekommen, nicht auf die Mieter umlegen dürfen, profitieren hier beide Parteien. Mittelfristig sind fünf Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln pro Jahr notwendig, um die von der Bundesregierung angestrebte Sanierungsquote zu erreichen. Zudem brauchen wir einen Mix aus Förderkrediten, Zuschüssen und Steuererleichterungen, um für alle Sanierer ein passendes Angebot machen zu können.“

 

Ihr Ansprechpartner: Sabine Buntrock, Larisa Purk