Klima-Konferenz unterstreicht Bedeutung lokaler Klimaschutzagenturen

„Ein Weiter-So gibt es nicht. Der Klimaschutz ist die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel hat’s auf ihrer Agenda: das notwendige Umdenken in Sachen ökologischer Ressourcen-Verwaltung. „Wir reden nicht nur drüber, wir handeln.“ Tobias Timm, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland, ist ein Mann der Tat. Mit seinem Team will er im Namen der neutralen Beratungsinstanz den Wandel beim Klimawandel in Hameln-Pyrmont mitbewegen.

Überschwemmungen, Ernteausfälle, sich ausbreitende Krankheiten – die Auswirkungen des Klimawandels werden von zahlreichen Schlagworten begleitet. Doch die Wissenschaft zu den möglichen Folgen globaler Erwärmung ist sowohl weitaus breiter als auch deutlich fragmentierter.

 

Erstmals kommen diese Woche Wissenschaftler und Entscheidungsträger aus allen Teilen der Welt zusammen, um die Klimafolgenforschung in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Auf der „Impacts World 2013“ Konferenz in Potsdam soll eine neue Forschungs-Agenda entwickelt werden, um Forschungslücken systematisch aufzugreifen. Zu den Teilnehmern gehören Spitzen-Entscheider wie EU-Kommissarin Connie Hedegaard und Rachel Kyte von der Weltbank genauso wie herausragende Wissenschaftler wie Cynthia Rosenzweig von der US-amerikanischen NASA Klimaforschungsabteilung und Joseph Alcamo vom UN Umweltprogramm. „Zurück in die Zukunft“ heißt auch Leitmotiv des umweltbewussten Handelns der Klimaschutzagentur Weserbergland. Energie sparen ist angesagt – „und bedeutet nicht, wie manche meinen, Komfortverlust“, so Timm. Im Gegenteil: Wer auf erneuerbare Energien setze, wer heute energetische Sanierung verwirkliche, wer sparsam mobil sei – „der gewinnt an Lebensqualität“, ist der Diplom-Ingenieur überzeugt. Die Klimaschutzagentur Weserbergland unterstützt das ehrgeizige Ziel des Landkreises Hameln-Pyrmont, die Treibhausgasemissionen in der Region auf Dauer deutlich zu verringern. Die Klima-Konferenz in Potsdam könne dazu beitragen, die Öffentlichkeit verstärkt für das Thema zu sensibilisieren, so Timm.

 

„Für faktenbasierte Entscheidungsfindung in einer Welt, die mit einem so nie dagewesenen Klimawandel konfrontiert ist, ist es Zeit für eine neue Ära der Folgenforschung – und wir sind sehr stolz, Gastgeber zu sein, jetzt wo es um diesen entscheidenden Schritt nach vorn geht“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Dieses hat gemeinsam mit dem Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) geholfen, dieses von der Wissenschaftsgemeinschaft getragene Projekt zu organisieren.

 

„Dies bedeutet aber auch, dahin zu gehen, wo es weh tut“, betont Schellnhuber. Eindrucksvolle Fallstudien und Pionierarbeit bei der Computersimulation einzelner Sektoren, etwa des Wassermanagements oder der Landwirtschaft, sind die Grundlage, um jetzt die mühevolle Integration der Ergebnisse über alle Grenzen hinweg zu wagen. Es geht darum, die Punkte zu einem großen Ganzen zu verbinden – und die Terra Incognita für immer zu verlassen.“

 

Klimafolgenforschung ist ein relativ junger Zweig der Forschung zum globalen Wandel. Elementare Physik, sorgfältige Beobachtungen und moderne Computersimulationen lassen uns heute sehr sicher sein, dass der Ausstoß von Treibhausgasen zu Klimawandel führt. Klar ist auch, dass bei signifikanter globaler Erwärmung langfristig negative Effekte, wie etwa verringerter Niederschlag in bereits wasserarmen Gebieten, die positiven Effekte wie die CO2-Düngung bei Pflanzen überwiegen. Computersimulationen von Klimafolgen aber müssen mit Unsicherheiten und enormer Komplexität zurechtkommen. Die Analyse der Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesellschaft wird besonders kompliziert durch Wechselwirkungen innerhalb der einzelnen Sektoren, etwa die Auswirkungen von Ökosystemänderungen auf die Verbreitung von Malaria oder die Folgen der Ozeanversauerung und Küstenerosion für globale Nahrungsmittelketten.

 

„Entscheidungsträger sind mit signifikanten Unsicherheiten konfrontiert, wenn es um die Abschätzung des Ausmaßes von Klimafolgen und ihrer genauen Verteilung in Raum und Zeit geht“, sagt Schellnhuber. „Die Wissenschaft kann sie darin unterstützen, eine Perspektive des Risikomanagements einzunehmen – einige Auswirkungen des Klimawandels werden vielleicht mit nur geringer Wahrscheinlichkeit eintreten, dafür aber inakzeptable Schäden verursachen, so dass sie vorsorglich besser vermieden werden sollten.“ Solche Folgen würden die Lebensgrundlage von Millionen Menschen erheblich beeinträchtigen. „Wir können die Zukunft nicht voraussagen“, sagt Schellnhuber. „Aber wir gestalten sie, an jedem einzelnen Tag.“

 

Wie lassen sich Kettenreaktionen abschätzen, die durch zukünftige Extremereignisse ausgelöst werden könnten? Wie lässt sich unsere Erfassung von Beobachtungsdaten vervollständigen, und wie können wir mit lückenhaften Datensätzen umgehen? Wie können wir die Robustheit von Computersimulationen vergrößern und Klimafolgenmodelle konsequent verbessern? Können wir den Eintrittszeitpunkt von Klimafolgen eingrenzen, um passgenauere Anpassungsstrategien zu entwickeln? Dies sind nur einige der Fragen, mit denen die Wissenschaftler sich befassen werden. Die Diskussion wird dazu beitragen, die Agenda in einem der weltweit wichtigsten Wissenschaftsfelder voranzubringen.

 

Die Ergebnisse, die auf der Impacts World 2013 diskutiert werden, sind Teil der ungeheuer großen Menge von wissenschaftlichem Material, das in den 5. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC eingeht. Bei der Konferenz vorgestellt werden auch Resultate des Intersectoral Impacts Model Intercomparison Project (ISI-MIP). Dieses hat es zum ersten Mal geschafft, eine umfassende modellbasierte Analyse von globalen Klimafolgen quer durch unterschiedliche Sektoren vorzulegen, von der Landwirtschaft bis zur Gesundheit. 

 

Ihr Ansprechpartner: Sabine Buntrock, Larisa Purk